Muss die Buchhaltung trotz Insolvenz vollständig sein?

Buchhaltung und gegebenenfalls Bilanz sollten erledigt sein – andernfalls riskiert der Unternehmer seine Restschuldbefreiung oder sogar ein Strafverfahren wegen Bankrott

Ja, und zwar aus zwei Gründen:

Erstens wegen der Restschuldbefreiung bei Einzelunternehmern. Wenn die Buchhaltung nicht gemacht ist, sind keine konkreten Zahlen des Gläubigers namens Finanzamt vorhanden.

Wird – so, wie bei allen Gläubigern – das Finanzamt im Insolvenzverfahren mit einem falschen Betrag berücksichtigt, besitzt das Finanzamt nach neuer Rechtsprechung das Recht, dem Schuldner die Restschuldbefreiung zu versagen.

TipOb das Finanzamt wirklich von seinem Antragsrecht auf Versagung der Restschuldbefreiung Gebrauch machen wird, vermag ich nicht zu sagen. Aber das Risiko besteht.

Zweiter Grund, weswegen die Buchhaltung abgeschlossen sein sollte, ist die Strafbarkeit bei GmbH-Geschäftsführern.

Wer es als GmbH-Geschäftsführer unterläßt, eine Bilanz rechtzeitig, das heißt bis zum 30.06. des Folgejahres zu erstellen oder die laufende Buchhaltung nicht erledigt, macht sich wegen Bankrott gemäß § 283 StGB strafbar.

Eine Bestrafung wegen § 283 StGB hat für den Geschäftsführer seit einer Gesetzesänderung im November 2008 üble Folgen. Er darf für die nächsten fünf Jahre nicht mehr Geschäftsführer sein.

Deshalb empfehle ich, die Buchhaltung und Bilanz noch irgendwie zu erledigen.

Das Argument, Sie können weder Buchhaltung noch Jahresabschluss erstellen, weil kein Geld für den Steuerberater vorhanden war oder dieser mangels Bezahlung die Unterlagen zurückhält, ist wertlos und lässt der Staatsanwalt nicht gelten.

Der Geschäftsführer muss die Bilanz rechtzeitig erstellen, ohne Wenn und Aber und egal wie – und wenn er die Bilanz alleine macht.

Notfalls kaufen Sie sich ein einfaches Buchhaltungsprogramm und buchen selbst. Auch wenn nicht alles richtig ist, Hauptsache die Buchhaltung ist erledigt.

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