Wer wird mein Insolvenzverwalter und wie gehe ich mit ihm um?

Auf die Wahl des Insolvenzverwalters haben Sie keinen Einfluss – der Insolvenzverwalter ist nicht Ihr Rechtsanwalt – pflegen Sie einen höflichen aber distanzierten Umgang – kontaktieren Sie ihn immer nur nach Anfrage – Ausnahme: Veränderung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse und Adresswechsel.

Wer Ihr Insolvenzverwalter beziehungsweise Treuhänder wird, bestimmt ausschließlich das Insolvenzgericht. Das kann man nicht beeinflussen.

In der Regel sind das spezialisierte Rechtsanwälte, die mit den Gerichten jahrelang vertrauensvoll zusammenarbeiten.

In größeren Kanzleien werden Sie Ihren Treuhänder kaum zu Gesicht bekommen, sondern allenfalls den Sachbearbeiter. Das ist ok.

Kleininsolvenzen wie Verbraucherinsolvenzen sind für den Insolvenzverwalter „Massenware“ und werden entsprechend behandelt.

Bitte berücksichtigen Sie, dass der Insolvenzverwalter nicht Ihr Rechtsanwalt ist. Er wird kaum mit Ihnen sprechen, wenn Sie ein Problem oder Anliegen haben.

Aber das müssen Sie auch gar nicht. Folgende Verhaltenstipps gegenüber dem Insolvenzverwalter habe ich Ihnen zusammengestellt:

Nur bei zwei Ereignissen müssen Sie von sich aus tätig werden und den Insolvenzverwalter informieren: Adresswechsel und Veränderungen Ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse wie zum Beispiel ein neuer Job oder Erbschaft.

Ansonsten lassen Sie den Insolvenzverwalter in Ruhe. Reagieren Sie immer nur auf seine schriftliche Aufforderung.

Der Insolvenzverwalter besitzt Informationsrechte, damit er seinen Job ausüben kann. Bitte geben Sie ihm diese Informationen, andernfalls wird er sauer.

TipVermeiden Sie jede Art von Konfrontation, versuchen Sie statt dessen einen gelassenen, höflichen und distanzierten Umgang.

Nehmen Sie nichts persönlich. Rechtsanwälte und damit Insolvenzverwalter haben oft einen provozierenden Schreibstil, der den Leser leicht auf die Palme bringt. Damit meint der Insolvenzverwalter gar nicht Sie persönlich. Der kennt Sie nämlich gar nicht.

Fragen Sie den Insolvenzverwalter nicht, ob Sie etwas tun oder lassen dürfen, wie zum Beispiel umziehen, ein neues Auto kaufen, den Job wechseln oder selbständig werden.

Entscheiden Sie wie gewohnt allein, informieren Sie den Insolvenzverwalter lediglich, wenn Sie es müssen (Umzug, Veränderung der Einkommensverhältnisse).

Irgendwann ist das Verfahren eingespielt und Sie hören nichts mehr davon. Das ist normal. Für Sie zählen die sechs Jahre bis zur Restschuldbefreiung.

Wie der Insolvenzverwalter Ihr Verfahren abarbeitet, bleibt ausschließlich ihm und dem Insolvenzgericht überlassen.

Sie können das Verfahren weder beeinflussen, noch besitzen Sie ein Recht auf Auskunft über den Verfahrensstand.

Das alles heißt aber nicht, dass Sie sich von dem Insolvenzverwalter alles gefallen lassen müssen. Falls er Sie schikaniert, sollten Sie einschreiten.

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